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Adventsspecial Interview mit Jazz Winter
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Verrückten Hühnern passieren verrückte Sachen
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Die Kunst des erotischen Schreibens – Nachteulengedanken für zwischendurch
Jeder Autor hat sein Steckenpferd, ein besonderes Genre, in dem er sich pudelwohl fühlt. Manche mögen es spannende Krimis zu schreiben, andere wiederum tauchen tief in die Welt der Fantasie... und es gibt Autorinnen und Autoren, die ein besonders feines Händchen für das erotische Schreiben besitzen.
Dazu zähle ich beispielsweise Emma Holly, Astrid Martini oder Sophie Andresky... und sicher gibt es noch mehr davon, denn die Liga der hochwertigen erotischen Literatur wächst stetig. Je mehr man davon liest, desto einfacher stellt man sich das ganze vor. Doch wenn man einmal den Selbstversuch wagt, stellt man schnell fest, dass man an gewisse Grenzen stößt, die es gilt aus dem Weg zu räumen.
Ich hab es selbst vor 2 Jahren zum ersten Mal probiert und musste feststellen, dass ich stundenlang vor einer weißen Wordseite saß und mir zum ersten Mal die „richtigen“ Worte fehlten. Nicht das ich ein prüder Mensch bin, oder ich nicht weiß, wie ich die „Dinge“ nennen soll, doch allein einen Akt erotisch und sinnlich zu umschreiben, ist gar nicht so leicht wie man sich das vorstellt. Am Ende findet man sich schnell zwischen zwei Stühle wieder. Der Eine nennt sich Erotik, der andere Pornographie. Man weiß nie, wo Erotik tatsächlich aufhört und die Pornographie anfängt, denn hierzu gibt es einfach keine klare Linie. Was der eine als schmutzige Worte bezeichnet, sieht der andere eher als hocherotisch und sexy an und ich glaube, es gibt kein anderes Genre in der Welt des Schreibens, das so hart kritisiert wird, wie die erotische Literatur.
Ich bin froh, dass es Autoren gibt, die dieses Genre mittlerweile hinter der „berüchtigten Ladentheke“ oder aus dem dunkeln Kellerverlies geholt haben. Ebenso ist es wirklich erfreulich zu lesen, dass es auch noch Wortreiche Erotik gibt, die sich weder im Gartencenter noch in einer Waffenkammer verirrt. (So hab ich es erst kürzlich in einer E-Mail umschrieben). Damit meine ich schlichtweg die Liebesromane, deren erotische Akte blumig mit dem Blütenkelch als Symbol der weiblichen Geschlechtsorgane, sowie das harte Schwert, als Umschreibung für das männliche Glied, dargestellt werden und großteils wirklich rein gar nichts mehr von lüsterner und sinnlicher Erotik an den Tag legt.
Sicher gibt es Leser, die solche Umschreibungen als sinnlich oder erotisch betrachten und lieber von Blumen und Schwertern lesen. Allerdings zeigt sich genau hier der schmale Grad zwischen Erotik und Pornographie. Es ist und bleibt Geschmackssache und nur das Auge des Lesers, kann entscheiden, ob er es gut findet oder eben nicht. Oftmals wird der Sex einer Geschichte auch nur ganz wage angedeutet und es bleibt der Fantasie und der Vorlieben des Lesers überlassen, wohin die Sinnliche Reise führt. Aber es gibt auch Autorinnen und Autoren, die es verbal hervorragend schaffen die sexuellen Handlungen so sinnlichen, erotisch und auch schmutzig (Im positiven Sinne) zu umschreiben, dass dennoch Platz bleibt für eigene Fantasien innerhalb der Geschichte, oder man sich die Szenen so herrlich bildlich vorstellen kann, dass sie ein besonders reizvolles Kopfkino erzeugen. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht und denen es nicht gefällt, die müssen es ja nicht lesen.
Oftmals werden diese Autorinnen und Autoren gleich mit dem Wort Porno beworfen, doch mal ganz ehrlich, was ist so verwerflich an den Verbalen Umschreibungen, die doch einzig nur den Tatsachen und der normalen umgänglichen Sprache entstammen? Welche Frau nennt denn ihre eigenen Geschlechtsteile Blumenkelch? Ich hab schon vieles aus den Mündern meiner Freundinnen gehört, aber solch ein Wort ist da noch nie gefallen. Ebenso stellt sich für mich auch die Frage, wer erotische Bücher liest, ist doch gleichzeitig auch irgendwo ein Fan der verbalen Erotik, oder nicht? Die Kritiken, der erotischen Literatur reichen von geschmacklos bis hin zur heiß und sinnlich... und je tiefer man gräbt, desto verwirrender wird dieses Thema.
Betrachtet man die Dinge im ursprünglichen Sinne, dann bedeutet Erotik nichts anderes wie die psychologisch geistige Anziehung zu einem anderen Menschen. Während Sex nur der reinen Trieb- und Körperbefriedigung dient. Heute wird der Begriff „Erotik“ oftmals gleichgesetzt mit Sex und Liebe. Als Erotisch kann praktisch alles bezeichnet werden, reinweg im Sinne eines jeden Betrachters. Ein Kleidungsstück kann ebenso erotisch sein, wie beispielsweise eine Stimme, ein Foto, eine Körperteil oder sogar ein Gegenstand. Ebenso wie die reinen Begriffe im ursprünglichen Sinne, so hat sich auch die Sprache mit der Zeit einem Wandel unterzogen.
So wie beispielsweise das Wort „Geil“ sogar bereits seinen Weg in den Deutschen Duden gefunden hat, war es zu Beginn seiner Nutzung absolut verpönt und fast ausschließlich nur von Jugendlichen benutzt worden. Jedoch stammte das Wort ursprünglich aus dem Althochdeutschen und bezeichnete Wiesenflecken die besonders üppig, grün und dicht bewachsen waren. Ebenso findet man viele verwandte Worte aus altenglisch, gotisch, germanisch usw. die von lüstern, schön bis scharf übersetzt werden können. Demnach ist es also keine neue Wortschöpfung der Jugend gewesen, sondern ein Wiederaufleben eines bereits uralten Wortes.
Wussten Sie eigentlich woher das „böse“ Wort „Ficken“ stammt? Heute bezeichnet man damit „abfällig“ den Geschlechtsverkehr. Ursprünglich bezeichnete man so dass Einrammen (mittels eines Rammbocks) von Türen oder Toren eine Burg im Mittelalter. Eine andere Quelle dieser Wortschöpfung könnte beispielsweise aus der Schmiedekunst stammen. Ein frisch geschmiedetes Schwert war meist voller Asche und Schlacke, um die Schneide davon zu reinigen, wurde das Schwert in einen an der Decke befestigten Sacke hineingestoßen. Die schnelle Hin- und Herbewegung nannte man ebenfalls „ficken“. Daher stammt auch der Begriff „Schwert ficken“ bzw. „Schwert fegen“.
Selbst heute hochgeschätzte und unverzichtbare Autoren und Schriftsteller, sowie Poeten und Dichter benutzten Worte, die noch heute als moralisch verwerflich und pornographisch angesehen werden, jedoch nicht im Zusammenhang zu diesen großen Autoren. Dies gilt ausschließlich nur für Schriftsteller der heutigen Zeit.
Was meine ersten Schritte in die erotische Schriftstellerei betrifft muss ich ehrlich sagen, Übung macht den Meister. Mittlerweile besitze ich eine ziemlich beachtliche Sammlung erotischer Kurzgeschichten auf dem PC, etlichen CD´s, einigen Disketten und auch handschriftlich in Tagebüchern, dass ich locker damit ganze Bücher füllen könnte. Nicht nur mein erotisches Schreiben wurde mit der Zeit besser, sondern es schlug sich auch auf mein gesamtes Schreiben nieder. Nicht das ich jetzt jede Geschichte mit erotischen Einflüssen schreibe. Viel mehr hat sich meine Art zu Schreiben dadurch wesentlich verändert. Mittlerweile formuliere ich Handlungen in meinen Kurzgeschichten wesentlich detaillierter und plastischer aus, so dass einem flüssigen Kopfkino während dem Lesen nichts mehr im Weg steht. Es sind praktisch in mir Barrieren und schriftstellerische Grenzen gefallen, von denen ich vorher nicht einmal etwas geahnt habe.
Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen irgendwann einmal den Versuch zu starten eine Anthologie aus meinen erotischen Kurzgeschichten zusammenzufassen und sie (wenn sich hierzu ein Verlag findet) zu veröffentlichen. Die Idee zu einem erotischen Roman beispielsweise wird von mir bereits fleißig verarbeitet und ausformuliert. Jedoch weiß ich jetzt schon, dass ich garantiert ebenso auf Grenzen von Lektoren und Barrieren eines Verlages stoßen werde, wie sicherlich andere Erotikautoren und –autorinnen vor mir. Aber wer nichts wagt, der nichts gewinnt.
Liebe Grüsse
Jazz